Im Sommer 2026 haben wir einen Roadtrip durch Westeuropa unternommen. Wir sind von Gran Canaria gestartet, sind an der portugiesischen Westküste entlang gefahren. Anschließend ging es für uns durch den Norden Spaniens und anschließend nach Frankreich bis in die Bretagne. Von dort reisten wir nach England und weiter nach Wales, bis wir wieder über England nach Schottland reisten.
Im Folgenden möchten wir über unsere Erlebnisse in Nordirland berichten.
Unsere Anreise
Wir sind mit der Fähre von Stena Line von Cairnryan nach Belfast gefahren. Die Fähre ist wirklich super. Die 2,5 stündige Überfahrt verging wie im Flug. Der Spielraum ist super und es kamen sogar zwei Piraten vorbei mit Bastelmaterial, einer Geschichte und am Ende Eis für die Kinder.
Wir sind schon einmal mit der Fähre von Stena Line von Rostock nach Trelleborg in Schweden gefahren.
Belfast
Belfast ist die Hauptstadt von Nordirland mit ca. 350.000 Einwohnern. Die Stadt ist weltberühmt für die Titanic, die hier ihre schicksalshafte Überfahrt über den Atlantik begann.
Ein Muss, wenn man in Belfast ist, ist der Besuch im Titanic Museum. Das Museum beginnt mit einer Ausstellung über das Leben in Belfast zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Menschen wurden anschaulich präsentiert. Besonders eindrücklich werden die einzelnen Schicksale der Menschen dargestellt, welche am Schiff gearbeitet haben oder damit gefahren sind.

Die Reise durch das Museum führt weiter zu einer 6 minütigen Fahrt in Kähnchen durch den nachgestellten Rumpf der Titanic. Hier werden in zahlreichen Sprachen die Arbeitsbedingungen am Schiff gezeigt. Die schwere und harte Arbeit der 3000 Menschen, die die Titanic bauten wird aus Sicht eines Arbeiters beschrieben. Die Menschen arbeiteten zum Teil nur unter Kerzenlicht. Das permanente laute Gehämmer auf den Stahl führte dazu, dass einige Arbeiter taub wurden.

Anschließend werden die Kabinen gezeigt und ein virtueller Rundgang durch die einzelnen Decks der Titanic. Zudem wird gezeigt wie viel das Schiff transportierte, an Kohle, Lebensmittel, Post.

Auch wie die Menschen der drei verschiedenen Klassen reisten, wie teuer eine Überfahrt war und weswegen sie die Reise von Belfast nach New York antraten, wird anschaulich immer wieder über Einzelschicksale gezeigt. Man fühlt und leidet mit den Menschen mit. Die Tragik der Jungfernfahrt wird einem daher umso mehr bewusst.

Mittels Musik wird man auf die Kollision mit dem Eisberg eingestimmt. Die letzten Morsenachrichten der Titanic werden gezeigt und die lange Liste der Namen aller Überlebenden und Verstorbenen erfüllt den Raum. Die Panik, welche am Schiff geherrscht haben muss, lässt sich gut nachempfinden.
Ein wichtiger Punkt der Ausstellung ist ebenso, was sich seitdem in der Schifffahrt verändert hat. Welche Sicherheitsvorkehrungen getroffen wurden, damit so etwas nicht wieder passiert.
Viele verschiedene, verheerende Umstände führten zu diesem tragischen Unglück. Da man glaubte, dass die Titanic unsinkbar war, wurden zu wenige Rettungsboote mitgenommen. Selbst wenn alle Rettungsboote komplett besetzt worden wären, hätten nur 62% der Passagiere gerettet werden können. Da sie jedoch kaum voll besetzt wurden und die Männer an Bord bleiben mussten, wurden nur 38% gerettet. Zwei Rettungsboote konnten gar nicht genutzt werden, da sie auf den Holzboden zerschmetterten beim Versuch sie herab zu heben.
Das Radar des nächstliegenden Schiffes, welches sich nur 19 Seemeilen entfernt befand, war über Nacht abgeschaltet.
Auf dem Mast befand sich kein Fernglas, da einige Crewmitglieder kurz vor Abfahrt wechselten, wurde das Fernglas mitgenommen. Daher wurde nur mit dem Auge gesehen, mitten in der Nacht bei klarer See. Der Eisberg wurde zu spät gesehen und ein kompletter Stillstand des riesigen Schiffes vor der Kollision mit dem Eisberg wäre nicht möglich gewesen.

Ein Besuch ist auch mit kleinen Kindern äußerst lohnenswert und sehr interessant!
Erwachsene zahlen £21,83, Kinder ab 5 Jahren zahlen £9,63. Onlinepreise sind etwas günstiger als die Tickets vor Ort zu kaufen. (Stand August 2026)
Ulster Folk Museum
Das Ulster Folk Museum ist ein Freilichtmuseum in Cultra, unweit von Belfast. Das Museum ist sehr weitläufig und zeigt das ländliche und städtische Leben in Nordirland um 1910.

Viele Wohnhäuser können besichtigt werden. Kostümierte Mitarbeiter üben handwerkliche Tätigkeiten aus, wie weben, Körbe flechten, Papierdruck, schmieden, backen und schnitzen. Es gibt einen Exkurs in die irische Sprache, irische Volksmärchen werden erzählt und ein Bastelangebot für Kinder.

Neben Wohnhäusern können ebenfalls Post, Bank, Gericht, Schule, Kirche, Friedhof und verschiedene Geschäfte besichtigt werden. In den Geschäften stehen ebenfalls Mitarbeiter bereit um Fragen zu beantworten und Alltagsgegenstände der damaligen Zeit vorzuführen oder zu erklären.

Das ländliche Leben, die harte Arbeit der Bauen und ihre Tradition können beim Besuch der vielen Bauernhäuser nachempfunden werden.


Eine kleine Ausstellung gibt Informationen zu den Spatenfabriken, die ab 1800 immer mehr produzierten. Die Entwicklung des Spaten wird bis 1910 erläutert. Der Spaten wurde verbessert, um die harte Arbeit auf den Feldern zu erleichtern.
Im Freilichtmuseen gibt es ebenfalls Tiere zu sehen, wie Schafe, Schweine, Pferde, Esel, Hühner, Truthähne und Gänse.

Wir hatten eine wundervolle Zeit und verbrachten den ganzen Tag im Freilichtmuseum. Ein super Familienausflugsziel!

Erwachsene zahlen £12,50 und Kinder ab 5 Jahren zahlen £7,80. (Stand August 2026)
Monkstown
Nach unserer Ankunft in Belfast sind wir nach Monkstown gefahren und haben einen herrlichen Nachmittag im Jordanstown Loughshore Park verbracht.

Der Park hat einen sehr schönen Spielplatz und ein Yalp Spiel. Der Spielplatz hat verschiedene Klettergerüste, Schaukeln, Wippen, Karussells, Rutschen und eine Zipline. Unsere Kinder waren glücklich und ewig beschäftigt. Zudem gibt es ein nettes Café, öffentliche Toiletten und der Park liegt direkt am Meer.

Whiteabbey
Einen schönen Nachmittag haben wir im Hazelbank Park in Whiteabbey verbracht. Dieser Park liegt ebenfalls am Meer, bietet schöne Wege und einen Spielplatz.
Zudem befindet sich hier der King’s Coronation Garden. Dieser wurde von Prince Charles III und Queen Camilla am 24. Mai 2023 eröffnet. Es gibt einen Blumenturm und der kleine Park hat viele schöne Blumen.

Whitehead
Whitehead ist ein kleiner Ort in der Nähe von Belfast mit ca. 3700 Einwohnern. Der Ort ist bekannt für seine bunten Häuser an der Promenade.

Mitte des 19. Jahrhunderts strömten immer mehr Menschen nach Belfast um Arbeit zu finden. Die industrielle Revolution war in vollem Gange. Da die Stadt jedoch kaum Wohnungen für alle bot, plante die Regierung mehr Menschen in umliegende Gegenden anzusiedeln. Die Bahnlinie wurde bis nach Whitehead ausgebaut, was bis dahin noch gar nicht existierte. Den Menschen wurde angeboten, wenn sie nach Whitehead ziehen, erhalten sie für 10 Jahre ein gratis Bahnticket. Viele nutzten diese Möglichkeit.

Die bunten Häuser an der Promenade entstanden aus einer kleinen Wette zweier Brüder. Sie wetteten, wer von ihnen die kräftigere Farbe für die Hausfassade wählt. Die Nachbarn schlossen sich schließlich den Brüdern an und so entstanden viele bunte Häuser.

Whitehead hat auch einen schönen Spielplatz mit großem Klettergerüst als Piratenschiff, mehreren Rutschen und Schaukeln. Der Spielplatz befindet sich neben dem Railway Museum.

Carrickfergus
Carrickfergus war bis in das frühe 20. Jahrhundert eine florierende Stadt unweit von Belfast. Mit dem Wachstum von Belfast und dem Niedergang einiger Fabriken, verlor Carrickfergus an Bedeutung. Wir haben uns das kostenlose Stadtmuseum angesehen. Dort gibt es viele Ausstellungsstücke wie z.B. Tabakpfeifen aus dem 16. Jahrhundert, Gewehre, Waffen und Wappen. Die Region wurde im 16. Jahrhundert stark umkämpft.

Das Museum bietet auch einen sehr schönen Spielraum mit Blauklötzen, Puzzeln, Puppenhaus, Malutensilien und Kostümen. Wir hatten trotz des Regens eine schöne Zeit.

In Carrickfergus sind besonders das Schloss und die Kirche aus dem Jahr 1177 sehenswert. Wir liefen durch die Straßen und konnten die Kirche sogar von innen besichtigen. Zwei nette Kirchenmitarbeiter standen für alle Fragen bereit und erzählten uns viel zur Stadtgeschichte.
Portballintrae
In Portballintrae startet ein herrlicher Küstenwanderweg zum bekannten Giant’s Causeway.
Es gibt einen Spielplatz im Ortszentrum in einem ruhigen Wohngebiet. Leider konnten wir aufgrund des starken Regens nicht lang dort bleiben.

Giant’s Causeway
Wir haben eine Nacht in Magheracross unweit vom Dunluce Schloss verbracht. Die Aussicht auf die steilen Felsklippen und das Schloss in der Ferne sind auch bei Regenwetter wunderschön und wirken mystisch.
Wir haben in Portballintrae geparkt und sind bis zu Giant’s Causeway gelaufen. Insgesamt haben wir 9 km zurück gelegt. Die Wanderung war herrlich und führte an der Küste entlang, beginnend durch die Dünenlandschaft und schließlich zu den Steilküsten.

Der Giant’s Causeway ist eine weltbekannte UNESCO Welterbestätte, die aus ca. 40.000 sechseckig geformten Basaltsäulen besteht. Diese sind bis zu 12 m hoch. Die Steine entstanden vor 60 Millionen Jahren durch abkühlende Lava.

Es macht sehr viel Spaß über die Basaltsäulen zu laufen. Unsere Jungs hatten dabei große Freude. Der Blick auf das Meer und die umliegenden grünen Berge ist ein Traum. Es gibt mehrere Küstenpfade, die um den Giant’s Causeway gelaufen werden können.

Ein Zug fährt in der Nähe des Giant’s Causeway Visitor Center Richtung Portballintrae.

Marble Arch Caves
Die Marble Arch Höhlen befinden sich im Süden von Nordirland, eingebettet in den Cuilcagh Bergen. Die Höhlen sind aus Sandstein. Sie gehören zu den UNESCO Global Geoparks. Das Ziel der Geoparks ist es, Landschaften, die von hohem Interesse sind, der breiten Bevölkerung zugänglich zu machen und sie gleichzeitig zu schützen.
Die Höhle ist der einzige Geopark, der sich über zwei Ländergrenzen hinweg erstreckt.

Im Besucherzentrum stehen viele Informationen über die Geologie, die Geschichte und über den Aberglauben der Menschen zur Höhle bereit. Es läuft ebenso ein Film über die Natur vor Ort und die traumhaften Wanderwege.

Die Höhlen wurden vor über 330 Millionen Jahren geformt. Der größte Stalaktit ist 250.000 Jahre alt und hat eine Länge von 2,5 m. Stalaktiten wachsen 1cm pro 1000 Jahre. Das komplette Höhlensystem hat eine Länge von 11 km.
Die Tour beginnt am Besucherzentrum mit einem kleinen Spaziergang durch grünen irischen Wald. Dabei erzählte unser Guide Niall schon einiges über die Entstehung der Höhle.

Ein Highlight zu Beginn des Besuchs ist die Bootsfahrt im Inneren der Höhle. Mit kleinen Booten fuhren wir ungefähr 5 Minuten über den Fluss.

Anschließend führte uns unser Guide auf einer Länge von 1,5 km durch die Höhle. Er zeigte uns geologische Besonderheiten und erzählte uns viel über die ersten Entdeckungen in der Höhle.
Ende des 19. Jahrhunderts wurden die Höhlen erstmalig erkundet. Die Einheimischen wussten um die Existenz der Höhlen, trauten sich jedoch nicht hinein, da sie glaubten, Monster, Feen und Hexen lebten darin. 1895 wagten sich Édouard-Alfred Martel, nach dem auch der größte Stalaktit benannt ist und Lyster Jameson, in die Höhle. Sie hatten lediglich Teelichter und Magnesiumfackeln dabei, um die absolute Dunkelheit in der Höhle zu erhellen.
Das Wandern in der Höhle brachte uns zum Staunen. Überall tropft Wasser von den Stalktiten und die Wasserläufe reflektieren die wunderschöne Höhle. Am Ende der Führung müssen 154 Stufen überwunden werden, um wieder am Besucherzentrum anzugelangen.

Die Führung dauerte ca. 90 Minuten. Erwachsene zahlen £18, Kinder ab 5 Jahren zahlen £9. (Stand August 2026)
Omagh
Wir haben einen schönen Nachmittag in Omagh verbracht. Obwohl es öfters geregnet hat, waren wir dennoch auf einem super Spielplatz. Die Kinder waren begeistert! Der Spielplatz bietet für alle Altersgruppen viele Spielmöglichkeiten. Es gibt eine riesige Kletterburg, die zum Kraxeln und Rutschen einlädt. Viele Schaukeln und Wippen sind vorhanden. Es gibt auch ein Klettergerüst für kleinere Kinder und einen Musikgarten.

Zudem stehen selbstreinigende und sehr saubere Toiletten zur Verfügung.
Ulster American Folk Park
Der Ulster American Folk Park ist ein absolut sehenswertes Freilichtmuseum und beschäftigt sich mit der Auswanderungswelle der Iren nach Amerika.

Die Reise beginnt in Irland im 18. Jahrhundert bei einer der ärmsten Familien im Land und geht weiter zu wohlhabenderen Familien in Irland. In nahezu jedem Haus befinden sich kostümierte Darsteller, die über das Leben der damaligen Zeit berichten und sehr gern Fragen beantworten.

Wir besichtigen eine Schule, eine Schmiede, eine Kirche und das Haus der Eltern von Thomas Mellon.

Er war ein Sohn von Farmern und wurde in diesem Haus 1813 geboren. Seine Eltern reisten in die USA, als er 5 Jahre alt war. Er lebte zunächst in einem einfachen Farmhaus.

Nach vier Jahren zahlten seine Eltern den Hauskredit ab und bauten sich ein eigenes Farmhaus. Seine Eltern arbeiteten sehr viel und hart und konnten Thomas schließlich eine gute Ausbildung als Anwalt ermöglichen. Später wurde er Richter und als er in den Ruhestand ging, eröffnete er eine Bank. Seine zwei Söhne gehörten zu den vier reichsten Männern der USA zur damaligen Zeit.

Die Zeitreise geht weiter in eine irische Hafenstadt, sicherlich Belfast. Dort konnten wir in unterschiedliche Geschäfte hinein gehen und schauen, welche Besorgungen, besonders wohlhabendere Familien gemacht haben, vor ihrer großen Reise.

Die lange Überfahrt mit dem Schiff beginnt. Im Museum befindet sich ein originalgetreues Schiff, welches mit 200 Passagieren ablegte. Die Schiffe liefen meistens 1 bis 2 Mal im Jahr aus. Familien harrten oft zwei Wochen in der Nähe des Hafens aus und warteten, bis das Schiff ablegte. Es gab keine genauen Fahrpläne, stattdessen legte es ab, wenn alle Tickets verkauft waren. Die Überfahrt dauerte zwischen 6 und 12 Wochen. Eingepfercht auf engstem Raum, mit sehr wenig Essen und Trinken, harten sie nahezu den gesamten Reisezeitraum unter Deck aus. Es war laut, stickig, stinkig und viele Menschen überlebten die Überfahrt nicht.

Angekommen in der Neuen Welt sehen wir originalgetreue Häuser aus Pennsylvania und Tennessee. Das Haus der Eltern von Thomas Mellon und ein Haus von deutschen Einwanderern. Zudem ein Haus eines Sklavenhändlers in Tennessee.

Die Gründe für die Auswanderung waren vielsichtig und diese werden in zwei weiteren Ausstellungen beleuchtet. Ein Hauptgrund war die irische Hungersnot 1845. Das Hauptnahrungsmittel der Iren, die Kartoffel war mit einem Pilz befallen und alle Kartoffeln vergammelten. Es gab kaum zu Essen für einen Großteil der Bevölkerung.

Abenteuerlust, die Hoffnung auf ein besseres Leben, Flucht vor der Hungersnot und der Wunsch nach eigenem Landbesitz waren die Hauptgründe für die große Auswanderungswelle.
Eine kindgerechte Ausstellung zur irischen Hungersnot wurde interaktiv nach dem Roman „Under the Hawthorn Tree“ („Sturmkinder“ auf Deutsch) von Marita Conlon-McKenna dargeboten.

Wir zahlten als Familie nur £13, aufgrund einer Sommeraktion. Regulär zahlen Erwachsene £12,25 und Kinder ab 5 Jahren £7,41. Es gibt ebenfalls Familienkarten. (Stand August 2026)
Nordirland hat uns wirklich überzeugt und wir waren begeistert, besonders von den vielen grandiosen Museen, welche wir besichtigt haben!












